Wie genau definiert man einen guten Freund? Ist das etwa einer, dem man seine Sorgen und Nöte mitteilt? Der immer da ist, wenn man ihn braucht? Mit dem man die grandiosesten Nächte aufs Parkett legt? Oder der einfach pausenlos den selben Stuss erzählt, der einem eine Sekunde zuvor selbst noch im Kopf herumschwirrte?
Seit ein paar Tagen beschleicht mich ein seltsam ungutes Gefühl in der Magengegend. Lange habe ich mich geweigert, auf den fahrenden Meisterzug aufzuspringen und habe alle Versuche meiner Gesprächspartner, mir das M-Wort zu entlocken, erfolgreich parieren können. Doch nach dem sensationellen 3:1-Erfolg unserer Borussia in(!) München vor vier Wochen war es auch um mich geschehen. Was sollte denn jetzt noch passieren? Wer sollte diese Mannschaft noch stoppen können, wenn schon nicht Müller, Robben, Ribéry und Co.? Unglaubliche 12 Punkte betrug der komfortable Vorsprung nach diesem grandiosen Februar-Wochende auf Vize... ups, Leverkusen, ganze 16 auf die großen Bayern. Das Ding war durch, ganz klar.
Ich bin ein Gegner von Panikmache, wirklich. Auch bin ich kein Fan von übertriebenem Abfeiern kurzzeitiger Höhenflüge - sei es im Sport, in der Politik oder in welchem gesellschaftlichen Bereich auch immer. Doch nun, da ich am vergangenen Wochenende live im Stadion Zeuge des späten Ausgleichs der Mainzer wurde, werde ich langsam nervös. Legokusen hat zurzeit einen echten Lauf und ist mittlerweile auf sieben Punkte heran gerückt. Sieben Punkte! Vor neun Jahren gelang es Bayer itself, einen solch eigentlich beruhigenden Vorsprung noch an den letzten vier Spieltagen zu vergeigen. Nutznießer im Frühling 2002: Borussia Dortmund. In dieser Saison stehen nun sogar noch sieben Spiele an. Und zu allem Überfluss haben wir jetzt auch noch ein spielfreies Wochenende vor der Brust! Die Jungs sollen nur nicht anfangen, zu viel nachzudenken.
Und überhaupt: Mir geht das ganze Meister-Geseiere der letzten Tage schon etwas auf den Keks. Da gefiel mir das über Monate praktizierte Understatement doch deutlich besser. Mittlerweile hört man Kevin Großkreutz ja schon pausenlos davon schwärmen, was im Fall des Falles "hier abgehen würde". Jedes Medium giert nach immer neuen Aussagen zum Was-wäre-wenn und es ist natürlich auch okay, ab einem gewissen Zeitpunkt so selbstbewusst aufzutreten und das Ziel klar zu formulieren. Andernfalls macht man sich irgendwann auch unglaubwürdig. Aber eben nicht zu inflationell.
Ja, klar. Ich will ja auch dabei sein. Ich will die verdammte Polonaise über die B1 anführen. Aber bitte: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Sollte es nämlich am Ende aus irgendwelchen Gründen nicht reichen, wäre das nach dieser Wahnsinns-Saison schon extrem bitter.
Ach ja, was hat das alles denn eigentlich mit dem Anfangsthema gemein? Nun, das ist relativ einfach, denn ich habe auf die Einstiegsfrage eine Antwort gefunden: Als ich neulich im Zug durch die Lande reiste und dieses ungute Gefühl plötzlich wieder in mir aufkam, teilte ich meine Sorgen per SMS. Zurück bekam ich – ca. eine Minute später – folgenden Satz:
"Vizekusen kann es nicht."
Ich war beruhigt und hatte – ungewollt – eine Antwort gefunden.
Donnerstag, 24. März 2011
Donnerstag, 3. März 2011
Trance.
Da sich die Beschwerde-Mails ob meiner Inaktivität auf dieser Seite so langsam stapeln - hier ein kurzes Update: Ich - und der ein oder andere aus dem engsten Bekanntenkreis - schwebe zur Zeit in einem sehr surrealen Mix aus purer Freude, Glückseligkeit und ungläubigem Kopfschütteln. Seit letztem Samstag glaube ich nun auch ganz fest an die Meisterschaft. Und könnte beim Gedanken daran vor Freude heulen. Nur nicht zu viel drüber nachdenken!
Es stehen wohl wunderschöne Wochen bevor. Ich werde versuchen, diese hier festzuhalten und das Blog regelmäßig zu befüllen. Bis dahin, einfach mal die Zeit genießen und sich Mitte Mai extatisch in die Arme fallen. Klingt nach 'nem fairen Deal!
Es stehen wohl wunderschöne Wochen bevor. Ich werde versuchen, diese hier festzuhalten und das Blog regelmäßig zu befüllen. Bis dahin, einfach mal die Zeit genießen und sich Mitte Mai extatisch in die Arme fallen. Klingt nach 'nem fairen Deal!
Dienstag, 1. Februar 2011
Sauerei der Woche
Skandal! Twitter schlägt mir in der Kategorie "Who to follow" doch tatsächlich vor, dem FC Sch**** 04 zu folgen. Noch alle Latten am Zaun? Programmiert mal eure Algorithmen vernünftig, ihr Voll-Mongos!
Und das drei Tage vor dem Derby. Ich bin empört.
Und das drei Tage vor dem Derby. Ich bin empört.
Mittwoch, 26. Januar 2011
Madame Courage oder "Ich werd dich auf deinen Platz verweisen, wo du hingehörst du Idiot!"
Credits für das Zitat in der Head an den ehrenwerten Klaus Kinski, aber zum Thema:
Eine ältere Dame will beim Juniorenspiel zwischen Chelsea und Arsenal ihren teuer erstandenen Platz auf der Tribüne einnehmen, doch was muss sie erblicken? Carlo Ancelotti, seines Zeichens durchaus erfolgreicher Coach der Profimannschaft, belegt exakt jenen. Doch schön zu sehen, dass auch ein hochbezahlter Startrainer nur mit Wasser kocht und seinen Platz nach ungläubigem Studium des Billets inklusive hochschnellender Braue räumen muss. Schön.
Eine ältere Dame will beim Juniorenspiel zwischen Chelsea und Arsenal ihren teuer erstandenen Platz auf der Tribüne einnehmen, doch was muss sie erblicken? Carlo Ancelotti, seines Zeichens durchaus erfolgreicher Coach der Profimannschaft, belegt exakt jenen. Doch schön zu sehen, dass auch ein hochbezahlter Startrainer nur mit Wasser kocht und seinen Platz nach ungläubigem Studium des Billets inklusive hochschnellender Braue räumen muss. Schön.
Donnerstag, 20. Januar 2011
Huch, da war ja was!
...und das bezieht sich zu gleichen Teilen auf diesen Post und die lange Inaktivität meinerseits auf diesem Kanal.
Folgende Anekdote kann und darf ich dem gemeinen Leser nicht vorenthalten: Jermaine Pennant, seines Zeichens aktuell Flügelspieler bei Stoke City und auch schon mal in Diensten des Arsenal FC und des Liverpool FC, trat vor Jahresfrist noch unter der Sonne Spaniens für Real Saragossa gegen den Ball. Als dann ein Angebot seines jetzigen Klubs ins Haus flatterte, zögerte der Gute nicht lang und entschied sich für die einjährige Leihe.
Da auch Fußballer vor weltlichen Dingen nicht gefeit sind, ging es ab nach Hause, Sachen packen, mit dem eigenen Wagen zum Flughafen und ab nach England. Als dann nach guten fünf Monaten das Telefon im Hause Pennant läutete und die Verantwortlichen seines Ex-Vereins aus Spanien höflich nachhakten, ob der werte Herr denn gedenke, seinen Porsche(!) irgendwann mal vom Flughafen in Saragossa abzuholen, hatte dieser nur folgende Worte zu entgegnen(sic!): "Mein Porsche? Ich kann mich nicht mal erinnern, dass ich einen Porsche besitze." Die Autoschlüssel fand man übrigens auf dem Beifahrersitz.
So viel Dekadenz ist fast schon wieder bewunderungswürdig.
Folgende Anekdote kann und darf ich dem gemeinen Leser nicht vorenthalten: Jermaine Pennant, seines Zeichens aktuell Flügelspieler bei Stoke City und auch schon mal in Diensten des Arsenal FC und des Liverpool FC, trat vor Jahresfrist noch unter der Sonne Spaniens für Real Saragossa gegen den Ball. Als dann ein Angebot seines jetzigen Klubs ins Haus flatterte, zögerte der Gute nicht lang und entschied sich für die einjährige Leihe.
Da auch Fußballer vor weltlichen Dingen nicht gefeit sind, ging es ab nach Hause, Sachen packen, mit dem eigenen Wagen zum Flughafen und ab nach England. Als dann nach guten fünf Monaten das Telefon im Hause Pennant läutete und die Verantwortlichen seines Ex-Vereins aus Spanien höflich nachhakten, ob der werte Herr denn gedenke, seinen Porsche(!) irgendwann mal vom Flughafen in Saragossa abzuholen, hatte dieser nur folgende Worte zu entgegnen(sic!): "Mein Porsche? Ich kann mich nicht mal erinnern, dass ich einen Porsche besitze." Die Autoschlüssel fand man übrigens auf dem Beifahrersitz.
So viel Dekadenz ist fast schon wieder bewunderungswürdig.
Dienstag, 21. Dezember 2010
Großmannssucht at its best.
Dass Fußballfans, neben lautstarkem "ACAB"-Brüllen und Dauerpöbeln, durchaus auch großartigst kreativ sein können, bewiesen die Freiburger Fans beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Folgenden, wunderbaren Gesang stimmten die Jungs im Breisgau an:
Lyrics: "Idrissou spielt Champions League, auf PS3 - die ganze Nacht, von Zwölf bis Acht." Klingt schön und rührt aus folgender Vorgeschichte:
Vor Jahresfrist äußerte eben jener Mo Idrissou, damals noch in Diensten des SC Freiburg, dass er "keinen Bock mehr" habe, mit "solchen Absteigern wie euch" (seine Mannschaftskollegen; d. Verf.) zu spielen. In der kommenden Saison (quasi der jetzigen) würde er "ja eh Champions League spielen". Nach dieser unfassbaren Dreistigkeit gab es natürlich keinerlei Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Verein und Spieler, sodass es Idrissou im Sommer aus dem beschaulichen Breisgau wegzog. Doch es rief nicht etwa die große Fußballbühne - in der Zwischenzeit wurde ein angebliches Interesse von Schalke 05 kolportiert - nein, der Herr landete bei den doch eher provinziellen Gladbachern. Die letzte, aber entscheidende Fußnote an dieser sehr witzigen Geschichte folgt nun:
Freiburg ist nach Beendigung der Hinrunde Sechster, hat nur fünf Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Rang. Gladbach hingegen hinkt mittlerweile mit 23 Zählern hinterher. Als Tabellenletzter.
Lyrics: "Idrissou spielt Champions League, auf PS3 - die ganze Nacht, von Zwölf bis Acht." Klingt schön und rührt aus folgender Vorgeschichte:
Vor Jahresfrist äußerte eben jener Mo Idrissou, damals noch in Diensten des SC Freiburg, dass er "keinen Bock mehr" habe, mit "solchen Absteigern wie euch" (seine Mannschaftskollegen; d. Verf.) zu spielen. In der kommenden Saison (quasi der jetzigen) würde er "ja eh Champions League spielen". Nach dieser unfassbaren Dreistigkeit gab es natürlich keinerlei Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Verein und Spieler, sodass es Idrissou im Sommer aus dem beschaulichen Breisgau wegzog. Doch es rief nicht etwa die große Fußballbühne - in der Zwischenzeit wurde ein angebliches Interesse von Schalke 05 kolportiert - nein, der Herr landete bei den doch eher provinziellen Gladbachern. Die letzte, aber entscheidende Fußnote an dieser sehr witzigen Geschichte folgt nun:
Freiburg ist nach Beendigung der Hinrunde Sechster, hat nur fünf Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Rang. Gladbach hingegen hinkt mittlerweile mit 23 Zählern hinterher. Als Tabellenletzter.
Dienstag, 23. November 2010
Monogamie enttäuscht dich nie
Horny Mike tat es mal wieder zuhause! Welch unwirkliche Szenen spielten sich am Samstag in der Fußballkneipe des Vertrauens ab, als in der Nachspielzeit der guten, alten Sky-Samstagskonferenz der Torschrei aus Hannover ertönte. Wie muss es sich nur live im Stadion angefühlt haben? Es war das Siegtor gefallen, für 96.
"Die gewinnen schon wieder?", schießt es einem im ersten Moment durch den Kopf. Und dann - wie aus dem Nichts - erscheint ER überlebensgroß auf der Leinwand. Der Torschütze heißt tatsächlich Mike Hanke! Der Held unserer Jugend, der WM-Teilnehmer 06 (sic!), der Aussortierte, der Abgeschriebene, der Verstoßene, der Lebemann, der... nunja, Umtriebige, der Eiskalte. Die Tormaschine! Jubel brandet auf, die ganze Kneipe tobt, Stühle und Bierbecher segeln quer durch den Raum. Fremde, schlecht frisierte Männer liegen sich in den Armen, die dicke Bedienung schlägt lustige Purzelbäume... doch halt! Das ausgestoßene Adrenalin scheint meine Sinne zu betäuben.
Nach einigen Sekunden völliger Extase komme ich zu mir und realisiere, dass ich im gut gefüllten Saal mit mittlerweile gut gefüllten Gästen doch der Einzige bin, der die Arme hysterisch nach oben reißt und ein langgezogenes "EEEE!! MIKE!!!!!!" in die Welt, die ich sodann auch kollektiv umarmen möchte, hinaus trägt. Niemand außer mir ist aufgesprungen, niemand sonst kann sich für diesen epischen Moment erwärmen. Ich bin nicht in Hannover. Ich verstehe das in diesem Moment nicht und möchte die Anwesenden schütteln, aus ihrer Trance erwecken. Freue mich dann aber doch lieber allein weiter. Die Gesichtsausdrücke schwanken mittlerweile zwischen Unverständnis, Mitleid und Kopfschütteln. Aber das ist egal. Der sympathischste Ehebrecher seit JFK hat wieder zugeschlagen. Zur Abwechslung bestritt er seit langer Zeit mal kein "Auswärtsspiel". Hanke beglückte einfach den eigenen Anhang. So schön kann Treue sein.
"Die gewinnen schon wieder?", schießt es einem im ersten Moment durch den Kopf. Und dann - wie aus dem Nichts - erscheint ER überlebensgroß auf der Leinwand. Der Torschütze heißt tatsächlich Mike Hanke! Der Held unserer Jugend, der WM-Teilnehmer 06 (sic!), der Aussortierte, der Abgeschriebene, der Verstoßene, der Lebemann, der... nunja, Umtriebige, der Eiskalte. Die Tormaschine! Jubel brandet auf, die ganze Kneipe tobt, Stühle und Bierbecher segeln quer durch den Raum. Fremde, schlecht frisierte Männer liegen sich in den Armen, die dicke Bedienung schlägt lustige Purzelbäume... doch halt! Das ausgestoßene Adrenalin scheint meine Sinne zu betäuben.
Nach einigen Sekunden völliger Extase komme ich zu mir und realisiere, dass ich im gut gefüllten Saal mit mittlerweile gut gefüllten Gästen doch der Einzige bin, der die Arme hysterisch nach oben reißt und ein langgezogenes "EEEE!! MIKE!!!!!!" in die Welt, die ich sodann auch kollektiv umarmen möchte, hinaus trägt. Niemand außer mir ist aufgesprungen, niemand sonst kann sich für diesen epischen Moment erwärmen. Ich bin nicht in Hannover. Ich verstehe das in diesem Moment nicht und möchte die Anwesenden schütteln, aus ihrer Trance erwecken. Freue mich dann aber doch lieber allein weiter. Die Gesichtsausdrücke schwanken mittlerweile zwischen Unverständnis, Mitleid und Kopfschütteln. Aber das ist egal. Der sympathischste Ehebrecher seit JFK hat wieder zugeschlagen. Zur Abwechslung bestritt er seit langer Zeit mal kein "Auswärtsspiel". Hanke beglückte einfach den eigenen Anhang. So schön kann Treue sein.
Abonnieren
Posts (Atom)