Schon seit einigen Tagen schwirrt mir folgender Gedanke im Kopf herum:
Der momentane Hype um die ach so tolle/junge/komplette/souveräne Torwartgeneration in Deutschland nervt. Dass ein Ron-Robert (bitte in breitem Englisch aussprechen!) Zieler nach nur 14(!) Spielen in der deutschen Eliteklasse für die Nationalelf nominiert wird, ist zwar einerseits ganz nett für den Jungen und ein Beleg für die augenscheinlich gute Arbeit in Hannover, bei der Masse an guten Keepern hierzulande aber doch zumindest merkwürdig. Kann ja sein, dass der Mann in den vergangenen Monaten klasse gehalten hat, aber vielleicht wäre es für alle Beteiligten angebracht, wieder ein wenig herunter zu kühlen. Dass Zieler über großes Potential verfügt, ist offensichtlich. Doch was, wenn ihn Mirko Slomka in der Rückrunde nicht plötzlich ins 96-Tor beordert hätte? Niemand würde sich für diesen Jungen, der bei Manchester United ausgebildet wurde, auch nur im Ansatz interessieren. Geschweige denn ihn ins DFB-Team beordern. Es ist wie so oft im Leben, Nuancen entscheiden über Wohl oder Wehe einer Karriere, und nicht zuletzt in diesem konkreten Fall das unübersehbare Augenmaß Schlangen-Mirko Slomkas bei der Beurteilung seiner Keeper. Er war es ja schließlich auch, der beim Turnhallen-Verein anno 2006 einen gewissen Manuel Neuer ins Tor stellte. Zieler jedenfalls würde sich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht beklagen (dürfen), würde er bei 96 noch immer die Bank wärmen.
Letztlich ist es ja eigentlich auch nicht mehr als eine Randnotiz wert, wer im DFB-Kader zu einem Doppelspieltag gegen Österreich und die Türkei als dritter Mann mitfahren darf. Er wird ja sowieso nicht spielen. Der Bundes-Jogi will sich vielmehr ein Bild vom Habitus des 22-Jährigen machen. Er will sehen, ob der junge Torwart ins Gefüge seines Teams passt. Doch wenn man ehrlich ist, erwartet man bei diesem Gesicht nicht unbedingt den typisch juvenilen Aufbegehrer pfälzischer Prägung.
Vielmehr wird sich Zieler - auch dauerhaft - klaglos in die Rolle des dritten Mannes begeben, wenn nicht sogar in Bälde den oft unbequemen Nörgler Tim Wiese als Nummer zwei ablösen. Immer unter der Prämisse, dass René Adlers DFB-Karriere zunächst erst mal beendet ist.
Also, ihr lieben Weidenfellers, Lenos, Fährmänner, Baumänner, Ulreichs: Eine Nominierung könnt ihr euch in den nächsten Jahren im Normalfall abschminken. Denn Neuer ist (noch) unumstritten die Nummer 1. Dahinter, und das ist jetzt abschließend meine ganz persönliche Meinung, wird ihm in naher Zukunft nur einer so richtig Dampf machen können: André ter Stegen, ähnlich wie Zieler noch nicht allzu lange Bundesliga-Torwart, strahlt mit seinen 19 Lenzen eine fast schon beunruhigende Sicherheit und Ruhe aus. Ter Stegen kann mit dem Ball umgehen, ist blitzschnell im Umschaltspiel und ganz wichtig: Er pariert Bälle. Das ist unser Mann der Zukunft, da bin ich ganz sicher.
Dürfte ich frei wählen, würde ich allerdings Robert Enke ins Tor stellen. Denn der war über jeden Zweifel erhaben, sportlich wie menschlich.
Und, ach ja:
KOAN NEUER! ;-)
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Freitag, 2. September 2011
Sonntag, 20. Juni 2010
Klos(e) im Hals?
Es ist also geschehen. Wir haben verloren. Im zweiten Spiel der WM. Die gute Nachricht ist: Das macht nichts. Den Zero-Miro, der er ja trotz seines wunderschönen Kopfballtores gegen die Aussies immernoch ist, können wir gerade so noch ersetzen. Hauptsache, es wird nicht der Mario. Am kommenden Mittwoch steht also das Spiel gegen die Ghanaer an und ganz ehrlich, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Die ohne Zweifel technisch und vor allem im Vorfeld der Spiele sanglich durchaus beschlagenen Jungs haben mir nun nicht unbedingt Angst eingeflößt - in beiden bisherigen Spielen. Betrachten wir mal die knallharten Fakten, haben sie bisher lediglich zwei Elfmetertore erzielen können und es nicht einmal geschafft, die offensichtlich in allen Belangen unterlegenen Australier (man erinnere sich an unser im Nachhinein doch zauberhaftes 4:0 zum Auftakt) in Überzahl(!) zu beherrschen. Nicht nur das, unsere afrikanischen Freunde schrammten denkbar knapp an einer Niederlage vorbei, man rieb sich verwundert die Augen, da die Ozeanier dem Sieg in Unterzahl doch tatsächlich näher waren. Der einzige Lichtblick in einer der letzten verbliebenen Hoffnungen des schwarzen Kontinents dieses Turniers war dann auch noch der im Eilverfahren vor der WM eingebürgerte Kevin Boateng. Ein Spieler, der nahezu jede deutsche Jugend-Nationalmannschaft durchlief und nun für das Heimatland seines Vaters aufläuft, ohne jemals auch nur einen Fuß auf ghanaisches Territorium gesetzt zu haben. Verwerflich? Vielleicht. Wie kann man in Berlin Schöneberg zur Welt kommen, seine komplette fußballerische Ausbildung bei Hertha BSC genießen und in der Jugend für sein Heimatland auflaufen, nur um sich dann kurz vor den Titelkämpfen in Südafrika doch für die andere Seite der eigenen Geschichte zu entscheiden?
Skandal! ..mag der ein oder andere rufen. Andererseits: Sein Name ist in Deutschland nicht erst seit der Ballack-Affäre ohne Zweifel verbrannt, er wird hierzulande nie mehr auch nur seinen kleinen linken Zeh auf ein Fußballfeld setzen können, ohne sich diversen Anfeindungen ausgesetzt zu sehen. Man könnte das Für und Wider der Person(a non Grata) Kevin Boateng erörtern, am Ende des Tages gäbe es die Fraktion Pro Kevin (inklusive mir und Jürgen Klopp) und auf der anderen Seite die Verfechter der Ächtung des jungen Schnösels, der sich an einem einzigen Tag(!) drei Autos der Preisklasse Lamborghini leistet und unseren so wichtigen Capitano Michael Ballack um seine wahrscheinlich (und hoffentlich) letzte WM-Teilnahme gebracht hat. Ich persönlich halte ihn für einen grandiosen Kicker - persönlich gereift und geläutert - der so ziemlich jeder Bundesliga-Mannschaft gut zu Gesicht stünde. Seine ersten beiden WM-Auftritte bestätigten dieses positive Bild. Stichworte wie Spielübersicht, -intelligenz, Antizipation und Passgenauigkeit seien hier einfach mal in den Raum geworfen. Ich mag ihn - auch als Typ.
Was gab uns diese WM in den ersten acht Tagen sonst noch? England vermasselt es traditionell - so scheint es, die Franzmänner zerfleischen sich selbst (und wie!) und vergessen dabei doch glatt, dass sie ihre ach so stolze Nation in aller Welt repräsentieren und die Argentinier werden immer mehr zu einem gefürchteten, möglichen Viertelfinal-Gegner. Ganz ketzerisch gesagt wäre es wahrscheinlich nicht einmal nachteilig, lediglich Gruppenzweiter zu werden, da man dann den Engländern auf jeden Fall (sollten sie sich qualifizieren) im Achtelfinale und den Südamerikanern um Wunderkind Leo Messi im möglichen Viertelfinale einfach mal ganz lässig aus dem Weg gehen könnte.
Letztlich ist es zu diesem Zeitpunkt der Gladiatorenkämpfe müßig, über irgendwelche Eventualitäten zu sinnieren. Mund abputzen, Ghana weghauen und schauen, was da so auf uns zu kommt kann nur die Devise lauten. Um mal das Phrasenschwein zu bemühen: Wer Weltmeister werden will, muss eh jeden schlagen können. Nie war dieser Ausspruch so wahr wie in 2010.
Die Spanier werden trotz der fast schon historischen Auftaktpleite gegen (G)Ottmars Schweizer die Gruppe souverän für sich entscheiden, Brasilien wird seine Hausaufgaben erledigen und auch die von uns so verehrten Italiener werden die K.O.-Runde erreichen. Und dann ist - wie immer - alles drin. DIE alles überragende Mannschaft habe ich noch nicht gesehen, und auch Diegos Offensiv-Feuerwerk muss man dank Martin Demichelis noch nicht zwingend zum Titel gratulieren. Gute Chancen haben sie natürlich zweifelsohne.
Die Crux der ersten WM-Woche ist letztlich: Nichts ist gesichert und schon gar nicht, dass unsere Jungs bis ganz zum Schluss mitmischen werden, so wie es der Rest der Welt fast schon traditionell erwartet.
Dass wir es uns alle wünschen, bedarf hier wohl keiner weiteren Erwähnung. Und für den Fall, dass wir es tatsächlich schaffen sollten, stehen einige von uns in der Pflicht einer leichtsinnig eingegangenen Wette. Drückt einfach die Daumen, hofft, dass wir Weltmeister werden und lasst euch überraschen. Für alle Hannoveraner könnte es amazing werden O.o. Auf dem gestrigen Heimweg trafen wir dann doch auch gleich auf zwei Fußballfreunde, deren Schicksal wohl schon durch die Niederlage gegen die Serben besiegelt schien: Sie mussten nackt über die Limmerstraße laufen. Sie taten dies mit bedingungsloser Überzeugung und Hingabe. Ich sollte noch einmal ins Solarium gehen. Ohne Witz, ich bete für den vierten Stern. Ganz ohne Public Viewing und Volksbespaßung. Fußball ist immer noch wichtig!
Skandal! ..mag der ein oder andere rufen. Andererseits: Sein Name ist in Deutschland nicht erst seit der Ballack-Affäre ohne Zweifel verbrannt, er wird hierzulande nie mehr auch nur seinen kleinen linken Zeh auf ein Fußballfeld setzen können, ohne sich diversen Anfeindungen ausgesetzt zu sehen. Man könnte das Für und Wider der Person(a non Grata) Kevin Boateng erörtern, am Ende des Tages gäbe es die Fraktion Pro Kevin (inklusive mir und Jürgen Klopp) und auf der anderen Seite die Verfechter der Ächtung des jungen Schnösels, der sich an einem einzigen Tag(!) drei Autos der Preisklasse Lamborghini leistet und unseren so wichtigen Capitano Michael Ballack um seine wahrscheinlich (und hoffentlich) letzte WM-Teilnahme gebracht hat. Ich persönlich halte ihn für einen grandiosen Kicker - persönlich gereift und geläutert - der so ziemlich jeder Bundesliga-Mannschaft gut zu Gesicht stünde. Seine ersten beiden WM-Auftritte bestätigten dieses positive Bild. Stichworte wie Spielübersicht, -intelligenz, Antizipation und Passgenauigkeit seien hier einfach mal in den Raum geworfen. Ich mag ihn - auch als Typ.
Was gab uns diese WM in den ersten acht Tagen sonst noch? England vermasselt es traditionell - so scheint es, die Franzmänner zerfleischen sich selbst (und wie!) und vergessen dabei doch glatt, dass sie ihre ach so stolze Nation in aller Welt repräsentieren und die Argentinier werden immer mehr zu einem gefürchteten, möglichen Viertelfinal-Gegner. Ganz ketzerisch gesagt wäre es wahrscheinlich nicht einmal nachteilig, lediglich Gruppenzweiter zu werden, da man dann den Engländern auf jeden Fall (sollten sie sich qualifizieren) im Achtelfinale und den Südamerikanern um Wunderkind Leo Messi im möglichen Viertelfinale einfach mal ganz lässig aus dem Weg gehen könnte.
Letztlich ist es zu diesem Zeitpunkt der Gladiatorenkämpfe müßig, über irgendwelche Eventualitäten zu sinnieren. Mund abputzen, Ghana weghauen und schauen, was da so auf uns zu kommt kann nur die Devise lauten. Um mal das Phrasenschwein zu bemühen: Wer Weltmeister werden will, muss eh jeden schlagen können. Nie war dieser Ausspruch so wahr wie in 2010.
Die Spanier werden trotz der fast schon historischen Auftaktpleite gegen (G)Ottmars Schweizer die Gruppe souverän für sich entscheiden, Brasilien wird seine Hausaufgaben erledigen und auch die von uns so verehrten Italiener werden die K.O.-Runde erreichen. Und dann ist - wie immer - alles drin. DIE alles überragende Mannschaft habe ich noch nicht gesehen, und auch Diegos Offensiv-Feuerwerk muss man dank Martin Demichelis noch nicht zwingend zum Titel gratulieren. Gute Chancen haben sie natürlich zweifelsohne.
Die Crux der ersten WM-Woche ist letztlich: Nichts ist gesichert und schon gar nicht, dass unsere Jungs bis ganz zum Schluss mitmischen werden, so wie es der Rest der Welt fast schon traditionell erwartet.
Dass wir es uns alle wünschen, bedarf hier wohl keiner weiteren Erwähnung. Und für den Fall, dass wir es tatsächlich schaffen sollten, stehen einige von uns in der Pflicht einer leichtsinnig eingegangenen Wette. Drückt einfach die Daumen, hofft, dass wir Weltmeister werden und lasst euch überraschen. Für alle Hannoveraner könnte es amazing werden O.o. Auf dem gestrigen Heimweg trafen wir dann doch auch gleich auf zwei Fußballfreunde, deren Schicksal wohl schon durch die Niederlage gegen die Serben besiegelt schien: Sie mussten nackt über die Limmerstraße laufen. Sie taten dies mit bedingungsloser Überzeugung und Hingabe. Ich sollte noch einmal ins Solarium gehen. Ohne Witz, ich bete für den vierten Stern. Ganz ohne Public Viewing und Volksbespaßung. Fußball ist immer noch wichtig!
Montag, 14. Juni 2010
Es löwt!
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hat mittlerweile drei interessante Tage hinter sich. Nachdem die Gastgeber am Eröffnungstag irgendwie doch an sich selbst scheiterten und unsere Kaulquappen speisenden, vom Rotwein umnachteten Lieblingsnachbarn alle Befürchtungen ob fader Vorstellungen wie schon bei der vorangegangenen EM durch ihren blutleeren Auftritt gegen Uruguay eindrucksvoll zu bestätigen wussten, konnte Turniertag zwei mit dem ersten Auftritt des besten Spielers dieses Planeten punkten. Und Leo hielt, was man sich im Vorfeld von ihm versprach.
Nach der bisher besten Saison seiner noch so unfassbar jungen Karriere war es im Match gegen Nigeria lediglich Torwart Enyeama, der den Griesgram machte und den Zauberfloh an Zaubertoren zu hindern wusste. Messi dribbelte, Messi flankte, Messi schloss ab. Traumhaft anzusehen, aber an diesem Tag leider nicht belohnt. So blieb am Ende ein verdienter 1:0-Erfolg der gerade in der Offensive so imposant besetzten Argentinier. Habe ich schon erwähnt, dass ich Messi liebe?
Ein Wort noch zu seinem... ja, okay, Trainer: Diego Armando Maradona war vor mehr als 20 Jahren mal ein überdurchschnittlicher Kicker. Er führte sein Land 1986 zum WM-Titel und avancierte im Laufe der Jahre zu einem Volksheld, ach was, zu einem Gott. An sich für den gemeinen Mitteleuropäer schon schwer nachzuvollziehen, trägt der Personenkult im Fall Maradona fast aberwitzige Züge. Da springt dieses kleine, dicke, bärtige Diego - seit gut 20 Jahren für diverse Drogenskandale berüchtigt- am Seitenaus entlang wie ein überdrehtes HB-Männchen, ignoriert dabei geflissentlich jegliche Abgrenzungen seiner Coaching Zone, um lautstark alle zwei Minuten beim Spielleiter eine Gelbe Karte für den Gegner einzufordern. Das Gesamtkunstwerk Maradona: Ein Mann, der auf dem Trainingsplatz Zigarre qualmt und sich anschließend von seinen Spielern auf den Allerwertesten schießen lässt. Mal ganz ehrlich, wer kann sich ernsthaft vorstellen, dass Maradona ein kompetenter Trainer ist?
Den Samstag Abend beschlossen dann unsere allerbesten Freunde: Die lieben Inselaffen. Wie haben wir sie nicht gern. Die Erkenntnisse nach der Partie gegen die Yankees sind simpel, aber irgendwie schön. Der angebliche Topfavorit von der Insel wird Südafrika auf keinen Fall als Weltmeister verlassen, Gerrard und Lampard kommen auf dem Feld einfach nicht miteinander aus und, was haben wir gelacht, sie haben ein - Achtung - echtes Green-horn im Tor. Ganz nebenbei glaube ich, dass die Amerikaner im weiteren Turnierverlauf eine sehr gute Rolle einnehmen können.
Jogi und seine Jungs waren dann endlich am Sonntag abend an der Reihe. Erste Ernüchterung bei der Verkündung der Aufstellungen: Zero-Miro spielt. Was solls, gegen die Socceroos sollte das genügen. Dann versemmelt unsere Speerspitze nacheinander eine gute, dann eine sehr gute und zum Abschluss eine tausendprozentige Chance, ehe er dann unter gütiger Mithilfe des deutsch-stämmigen Keepers Mark Schwarzer doch noch zum vorentscheidenden 2:0 einköpft. Und wie! Sah fast danach aus, als sei Miro Klose bewusst in den Ball gesprungen. Fast so wie einst Miro Klose! Egal, es löwt auf dem Platz und vor dem Fernsehgerät, wo das drei Jahre überlagerte Herri schmeckt wie Özil aussieht - 2:0 zur Halbzeit. Nach 30 Minuten allerfeinstem Klose-Bashing also doch noch die lang ersehnten Standing Ovations und "Miro, Miro"-Sprechchöre im Calenberger WM-Studio. Rundum gelungener Auftakt unserer Jungs, der mit Sicherheit Eindruck hinterlässt.
Zumindest unsere Freunde von der Insel machen sich schon mal ins Hemd. Die Sun titelt heute: "The contest was over and the message was clear. Watch out, the Germans are coming."
Wie Recht ihr doch habt, ihr blöden Tommys.
Das Calenberger WM-Studio:
Nach der bisher besten Saison seiner noch so unfassbar jungen Karriere war es im Match gegen Nigeria lediglich Torwart Enyeama, der den Griesgram machte und den Zauberfloh an Zaubertoren zu hindern wusste. Messi dribbelte, Messi flankte, Messi schloss ab. Traumhaft anzusehen, aber an diesem Tag leider nicht belohnt. So blieb am Ende ein verdienter 1:0-Erfolg der gerade in der Offensive so imposant besetzten Argentinier. Habe ich schon erwähnt, dass ich Messi liebe?
Ein Wort noch zu seinem... ja, okay, Trainer: Diego Armando Maradona war vor mehr als 20 Jahren mal ein überdurchschnittlicher Kicker. Er führte sein Land 1986 zum WM-Titel und avancierte im Laufe der Jahre zu einem Volksheld, ach was, zu einem Gott. An sich für den gemeinen Mitteleuropäer schon schwer nachzuvollziehen, trägt der Personenkult im Fall Maradona fast aberwitzige Züge. Da springt dieses kleine, dicke, bärtige Diego - seit gut 20 Jahren für diverse Drogenskandale berüchtigt- am Seitenaus entlang wie ein überdrehtes HB-Männchen, ignoriert dabei geflissentlich jegliche Abgrenzungen seiner Coaching Zone, um lautstark alle zwei Minuten beim Spielleiter eine Gelbe Karte für den Gegner einzufordern. Das Gesamtkunstwerk Maradona: Ein Mann, der auf dem Trainingsplatz Zigarre qualmt und sich anschließend von seinen Spielern auf den Allerwertesten schießen lässt. Mal ganz ehrlich, wer kann sich ernsthaft vorstellen, dass Maradona ein kompetenter Trainer ist?
Den Samstag Abend beschlossen dann unsere allerbesten Freunde: Die lieben Inselaffen. Wie haben wir sie nicht gern. Die Erkenntnisse nach der Partie gegen die Yankees sind simpel, aber irgendwie schön. Der angebliche Topfavorit von der Insel wird Südafrika auf keinen Fall als Weltmeister verlassen, Gerrard und Lampard kommen auf dem Feld einfach nicht miteinander aus und, was haben wir gelacht, sie haben ein - Achtung - echtes Green-horn im Tor. Ganz nebenbei glaube ich, dass die Amerikaner im weiteren Turnierverlauf eine sehr gute Rolle einnehmen können.
Jogi und seine Jungs waren dann endlich am Sonntag abend an der Reihe. Erste Ernüchterung bei der Verkündung der Aufstellungen: Zero-Miro spielt. Was solls, gegen die Socceroos sollte das genügen. Dann versemmelt unsere Speerspitze nacheinander eine gute, dann eine sehr gute und zum Abschluss eine tausendprozentige Chance, ehe er dann unter gütiger Mithilfe des deutsch-stämmigen Keepers Mark Schwarzer doch noch zum vorentscheidenden 2:0 einköpft. Und wie! Sah fast danach aus, als sei Miro Klose bewusst in den Ball gesprungen. Fast so wie einst Miro Klose! Egal, es löwt auf dem Platz und vor dem Fernsehgerät, wo das drei Jahre überlagerte Herri schmeckt wie Özil aussieht - 2:0 zur Halbzeit. Nach 30 Minuten allerfeinstem Klose-Bashing also doch noch die lang ersehnten Standing Ovations und "Miro, Miro"-Sprechchöre im Calenberger WM-Studio. Rundum gelungener Auftakt unserer Jungs, der mit Sicherheit Eindruck hinterlässt.
Zumindest unsere Freunde von der Insel machen sich schon mal ins Hemd. Die Sun titelt heute: "The contest was over and the message was clear. Watch out, the Germans are coming."
Wie Recht ihr doch habt, ihr blöden Tommys.
Das Calenberger WM-Studio:
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