Da es schwer ist, sich ihrer medialen Präsenz zu entziehen, weiß mit Sicherheit auch der letzte Fußball-Ignorant, dass bald die Weltmeisterschaft in Südafrika angepfiffen wird. Es geht also wieder los: Ein jeder wird sich mit gesundheitsschädlichen Farben aus dem hiesigen Groschenmarkt das eigene Antlitz beschmieren, sich eine Ein-Euro-Deutschlandfahne umhängen, mit seinen Freunden zum Public Viewing pilgern und hoffen, etwas von der dann doch bitteschön vier Wochen andauernden Party abzugreifen. Ein Land im Ausnahmezustand. Alle freuen sich, jeder ist happy, wir haben eine gute Zeit bei tollem Wetter und ergötzen uns an uns selbst, unserer guten Laune und - ach ja - unserer Nationalmannschaft. Was 2006 wirklich eine tolle Angelegenheit war und auch mich einen Monat lang in einem Trance-ähnlichen Zustand durch die Gegend taumeln ließ, war zwei Jahre später während der EM, geprägt durch Rumpel-Fußball, unwissende Schlaumeier und die Hoffnung auf eine erneute Party der Superlative beim Public Viewing, schon wieder nervig. Die Wahrheit nämlich ist: Der Sommer 2006 war wunderschön, es herrschte tatsächlicher Ausnahmezustand und das Happy End hat gefehlt. Aber es wird für immer ein zwar unvergessliches, jedoch einmaliges Erlebnis bleiben. Und das ist irgendwie auch gut so.
Noch heute fragt sich ganz Europa, wie sich Jogis Jungs 2008 eigentlich bis ins Endspiel mogeln konnten. Allein, den gemeinen Fan der Nationalmannschaft kümmerten solche Nebensächlichkeiten nicht. Wir hatten wieder unsere Party! Geschichte wiederholt sich, Ausnahmezustand deluxe in DeutschLAHM.
Ich habe mir vorgenommen, diesen ganzen Schwachsinn nicht mehr mitzumachen und mich beim Schauen der Spiele auf die Gesellschaft eines kompetenten Kreises TATSÄCHLICH am Sport interessierter Leute zu beschränken, der eben NICHT nach 8(!) Minuten Spielzeit die Auswechslung des Spielers xy fordert. Dankenswerterweise finde ich in meinem näheren Umfeld eine große Zahl solcher Menschen.
Damit sind wir wieder bei meinem eigentlichen Anliegen. Ich habe mir vorgenommen, so viele Spiele der WM als möglich (alle?) anzusehen. Ich möchte heraus finden, ob es bei mir eine Grenze des Inputs gibt, ob ich irgendwann dem Fußball-Overkill erliege, oder ob ich mich auch nach Wochen der Fußball-Informations- und Reizüberflutung noch an Spielen wie Honduras gegen Chile erfreuen kann. Und ich werde diesen Vorgang dokumentieren, ab und an unterlegt mit Bildmaterial. So ganz weiß ich auch noch nicht, wohin die Reise mich führt, aber ich lasse mich da mit euch gemeinsam einfach mal überraschen und bin sehr gespannt, was die nächsten Wochen an Erkenntnissen und hoffentlich sportlichen Erfolgen so bringen mögen.
Bis dahin werde ich mich nun zunächst, nach tagelangem Ringen mit mir selbst, welches WM-Sonderheft ich mir denn zulegen würde, ein wenig belesen. Ach ja, die Glaubensfrage (Sport Bild oder Kicker) wurde übrigens folgendermaßen beschieden:
Ein wunderbarer Artikel. Ich habe Ähnliches vor, sollten weltliche Dinge, wie beispielsweise der Erwerb, leiser treten, erleben wir einen täglichen Austausch ekstatischer Begeisterung.
AntwortenLöschenSing doch mal für die Mannschaft und nicht dagegen!
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