Dienstag, 10. August 2010

Torjubel mal anders, #3

Und da sind sie wieder, die isländischen Jungs von der Jubelbrigade. Diesmal versuchen sie sich als menschliches Fahrrad. Und wieder kann man nur den Hut ziehen. Chapeau!

Mittwoch, 28. Juli 2010

Halldor Orri aka "The Salmon"

Oh, schon drei Wochen vergangen seit dem Endspiel der Weltmeisterschaft. Alles in allem war es doch ein rundes Turnier. Ließ es sich zunächst gemächlich an, gewann die WM nach und nach an Fahrt. Gespickt mit grandiosen Fehlleistungen der Torhüter, nicht gegebenen Treffern für die Engländer, einem frühzeitig nach Hause geschickten Diego Maradona und nicht zuletzt dem berauschenden Auftritt unserer Jungs bleiben die vier Wochen Südafrika doch auf jeden Fall in Erinnerung. An dieser Stelle möchte ich auch meinen ausdrücklichen Dank an das Organisationskommitee der Tour de France richten, die mir einen nahtlosen Übergang von WM zur Frankreichrundfahrt gestatteten. Die nächsten drei spannenden, spektakulären Sportwochen waren dadurch gesichert. Und die gute Nachricht ist: Ganz bald ist auch wieder Bundesliga. Und DFB-Pokal. Und Europa League (plus Quali).

In anderen Ligen Europas wurde der Spielbetrieb übrigens schon wieder aufgenommen. Wer erinnert sich nicht gern an den grandiosen Torjubel der Dänen aus Nordsjælland? Nun setzen die Spieler der Mannschaft aus Stjarnan, Island auf unglaublich kreative Weise noch einen drauf und korrigieren die Messlatte für das Zelebrieren von Toren ganz nebenbei um gefühlte zwei Meter nach oben. Groß.

Samstag, 3. Juli 2010

Wer rasiert, verliert.

Tja, was schreibt man nun? Diese Mannschaft lässt einen sprachlos zurück. Wie in Trance taumelt man durch den Samstag Abend und fragt sich, ob diese Glückseligkeit wirklich wahr sein kann. Man erwacht am Tag danach - und findet doch keine Worte für das, was unser Team da gegen die Argentinier auf den heiligen Rasen gezaubert hat. Man möchte weinen vor Freude, aber Weltmeister sind wir ja noch nicht und das wär dann doch etwas zu viel des Guten.

Das letzte Mal, dass mir ein Fußballspiel die Tränen in die Augen trieb, war das so unglücklich verlorene WM-Finale 2002. Ronaldo, du Arsch. Und deine Frisur war auch scheiße. Was bleibt? Jegliche Superlativen wurden in den letzten Tagen ausführlichst bedient. Ich kann euch nur raten, diese wundervollen Tage zu genießen. Sollte diese unfassbare Geschichte am Mittwoch ein Ende finden, braucht jedoch niemand traurig zu sein. Unser Team macht uns stolz. Normalerweise bin ich mit solchen Formulierungen sehr vorsichtig, denn stolz machen sollten einen doch zunächst mal eigene Leistungen, Errungenschaften oder derer nahe stehender Menschen. Zur Zeit allerdings darf man durchaus mal stolz sein. Was 2006 noch zum Märchen verklärt wurde, hat sich mittlerweile tatsächlich als eben solches entpupt. Die internationalen Pressestimmen zu den Leistungen unserer Elf gehen doch runter wie Öl - und ich bin mit Sicherheit nicht der einzige, dem es so ergeht.

Nach dem schon grandiosen 4:1 gegen England entschied ich mich - benebelt vom Siegesrausch - mir so lange den Bart stehen zu lassen, bis Jogis Jungs ausscheiden. Das ist mittlerweile neun Tage her. Zugegeben, ich hab nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen. Mittlerweile sehe ich auch echt scheiße aus und es kratzt unglaublich. Aber das ist es mir wert. Und ich hab verdammt nochmal nicht vor, in den nächsten fünf Tagen zur Klinge zu greifen. Machts noch einmal, Jungs!

Freitag, 2. Juli 2010

Dirty Talk für Fortgeschrittene

Der "Herr Schweinsteiger" möchte nicht mehr der Schweini sein. Als diese Meldung vor einigen Monaten über den Äther ging, fragte ich mich noch, was genau der bajuwarische Mittelfeldmann damit meint. Mittlerweile muss ich - auch nach einer bärenstarken Saison des "Herrn Schweinsteiger" im Trikot der Bayern und seinen überragenden Vorstellungen im DFB-Trikot - ihm eine nicht für möglich gehaltene Entwicklung attestieren. Zweifellos ist "Herr Schweinsteiger" mittlerweile DER Fixpunkt im deutschen Spiel. Er legt vermeintliche Weltstars wie Frank Lampard (Hallo Inselaffen!) an die Kette und leitet ganz nebenbei auch noch nahezu jeden Angriff unserer Elf in Südafrika ein. Ohne Frage, der Mann, der vor einigen Jahren noch des Nachts mit seiner vermeintlichen Cousine von einem Wachmann im Entmüdungsbecken an der Säbener Straße erwischt wurde, hat sich - gerade nach dem Ausfall des angeblich einzigen Leaders unserer Auswahl Michael Ballack - zu einer wahren Führungspersönlichkeit entwickelt. Habe ich mich noch nach der WM 06 beim Schauen des "Sommermärchens" von Bundesversammlungs-Mitglied Sönke Wortmann nicht zu wenig fremd geschämt, als Schweini neben dem Poldi auf dem Hotelbett lag und beide ihre Eindrücke des heimischen Turniers schilderten, hat sich der junge Mann seitdem wirklich weiter entwickelt. Lief er noch 2008 nach dem Viertelfinale gegen Portugal mit einem Deutschland-Cowboyhut auf dem Kopf quer über den Platz zu seiner Angebeteten, gibt er mittlerweile auch direkt nach Spielschluss sehr reflektierte Interviews und gibt den gereiften Strategen. Küsse gibts immer noch, aber eben ohne Hut.

Verwundert vernahm der gemeine Fan der deutschen Elf sodann auch seine Aussagen bei der täglichen Pressekonferenz am Dienstag vor dem Argentinien-Spiel, in der "Herr Schweinsteiger" vom Allerfeinsten gegen die Manieren des samstäglichen Gegners auf und neben des Platzen lederte. Statt die - durchaus berechtigte - Kritik lediglich auf die argentinische Auswahl zu beziehen, griff er doch gleich mal das ganze Volk an. "Die sind eben so" war da noch eine der harmlosen Bemerkungen unseres "emotionalen Leaders". Ungefragt wohlgemeint.

Ich vermute hinter diesen Worten eine durchaus gewiefte Taktik, die Südamerikaner an der Ehre zu packen. Gezielte Provokation im Vorfeld quasi. Die werden nun heiß sein. Am Samstag wird der Argentinier mit Sicherheit versuchen, unserer jungen Elf den Schneid durch den von "Herrn Schweinsteiger" prognostizierten überharten Einsatz abzukaufen.

Die Rechnung des "Herrn Schweinsteiger" könnte aufgehen, wenn der Usbeke Irmatov eine ähnlich strikte Linie verfolgt wie der Unparteiische im Spiel unserer Elf gegen die Serben und nach einer halben Stunde den ersten Argentinier des Feldes verweist. Wunschdenken, klar. Aber eben nicht unmöglich. Eins ist klar: Uns erwartet eine von beiden Seiten intensiv geführte Partie, zu der neben der natürlichen Rivalität der beiden Fußball-Nationen auch die Geschehnisse im Anschluss an das Viertelfinale vor vier Jahren beitragen werden. Oder wie es der übrigens für sein Alter unfassbar eloquente Thomas Müller zu sagen pflegte: "Wenn wir gewinnen, können sie gern nach dem Spiel eine Schlägerei anzetteln!"

Und sonst? Das Spiel gegen unsere Lieblingsfreunde von der Insel bedarf wohl doch keines gesonderten Posts, zu beeindruckend war die Leistung unserer Elf am vergangenen Sonntag. Von einer gewissen Glückseligkeit umnachtet endete der Abend der englischen Demontage - ich habe mich lange nicht so gut gefühlt. Es war ein sehr, sehr schöner Tag.

Mir bleibt, mich mit den angekündigten Worten zu verabschieden und uns allen einen hoffentlich positiven Ausgang des kommenden Spiels zu wünschen: Wir sehen uns am Samstag, 16 Uhr, gegen Argentinien. Die Jungs hätten es wirklich verdient, in die Vorschlussrunde einzuziehen. Sollte es nicht klappen, muss allerdings niemand traurig sein. Dieser Mannschaft gehört zweifelsfrei die Zukunft. Ausnahmsweise find ich Leo Messi am Samstag auch mal doof.

Und so sehen die abschließenden Vorbereitungen unseres Teams aus. Tanzen kann er ja, der Mario.

Freitag, 25. Juni 2010

Die Expertenrunde: Eine Liebeserklärung

Der Pöbel frohlockt. Seit nunmehr zwei Wochen läuft die Fußball-WM und ein jeder fühlt sich dazu berufen, sich mit einem Batzen Schminke im Gesicht, der Fahne in der Hand - und am nächsten Tag aus dem Mund - auf den Weg zur Volksbespaßung aka Public Viewing zu machen, sobald wieder der Tag eines Spiels mit deutscher Beteiligung gekommen ist. 15-jährige Halbstarke, bewaffnet mit Korn in der linken und Becks in der rechten Hand, wanken schon am frühen Vormittag zur Großleinwand, um Eins zu werden mit sich, dem flüssigen Glück und zu guter Letzt: dem Event. Gröhlend bahnen sie sich ihren Weg, vorbei an Familien, gekleidet in das Nivea-Fanshirt und winkend mit der zur Rechnung dargereichten ARAL-Deutschland-Flagge. Es ist eine Farce.

Ich habe nun jedes der drei Vorrundenspiele in kleiner, fachkundiger Runde anschauen dürfen und es nicht bereut. Die Vorteile liegen auf der Hand: Unqualifiziertes Gequatsche wird minimiert, die Analyse des Spiels erfolgt objektiv in ruhiger Atmosphäre, das Bier ist kühler und reißt keine Riesenlöcher ins Budget. Ganz zu schweigen von der nervigen An- und Abreise und den nahezu bürgerkriegsähnlichen Zuständen beim Einlass und der Revierverteidigung, hat man erst einmal einen halbwegs passablen Platz in der Masse gefunden. Nein, da lob ich mir den heimischen HD-Fernseher und die fachkundige Gesellschaft. Gezittert, gebrüllt, gezetert, gemeckert, gepöbelt, geschrien, gejubelt, gefreut, gefachsimpelt wird natürlich auch hier. Eventuell kullernde Tränen kommen dann irgendwie auch unpeinlicher.

Und sonst? Italien ist draußen. Wir gegen England. Dieses Spiel verdient einen eigenen Post. Hoffentlich darf ich diesen dann mit den Worten "...wir sehen uns am Samstag, 16 Uhr, gegen xy" beenden. God shave the queen!

Sonntag, 20. Juni 2010

Klos(e) im Hals?

Es ist also geschehen. Wir haben verloren. Im zweiten Spiel der WM. Die gute Nachricht ist: Das macht nichts. Den Zero-Miro, der er ja trotz seines wunderschönen Kopfballtores gegen die Aussies immernoch ist, können wir gerade so noch ersetzen. Hauptsache, es wird nicht der Mario. Am kommenden Mittwoch steht also das Spiel gegen die Ghanaer an und ganz ehrlich, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Die ohne Zweifel technisch und vor allem im Vorfeld der Spiele sanglich durchaus beschlagenen Jungs haben mir nun nicht unbedingt Angst eingeflößt - in beiden bisherigen Spielen. Betrachten wir mal die knallharten Fakten, haben sie bisher lediglich zwei Elfmetertore erzielen können und es nicht einmal geschafft, die offensichtlich in allen Belangen unterlegenen Australier (man erinnere sich an unser im Nachhinein doch zauberhaftes 4:0 zum Auftakt) in Überzahl(!) zu beherrschen. Nicht nur das, unsere afrikanischen Freunde schrammten denkbar knapp an einer Niederlage vorbei, man rieb sich verwundert die Augen, da die Ozeanier dem Sieg in Unterzahl doch tatsächlich näher waren. Der einzige Lichtblick in einer der letzten verbliebenen Hoffnungen des schwarzen Kontinents dieses Turniers war dann auch noch der im Eilverfahren vor der WM eingebürgerte Kevin Boateng. Ein Spieler, der nahezu jede deutsche Jugend-Nationalmannschaft durchlief und nun für das Heimatland seines Vaters aufläuft, ohne jemals auch nur einen Fuß auf ghanaisches Territorium gesetzt zu haben. Verwerflich? Vielleicht. Wie kann man in Berlin Schöneberg zur Welt kommen, seine komplette fußballerische Ausbildung bei Hertha BSC genießen und in der Jugend für sein Heimatland auflaufen, nur um sich dann kurz vor den Titelkämpfen in Südafrika doch für die andere Seite der eigenen Geschichte zu entscheiden?

Skandal! ..mag der ein oder andere rufen. Andererseits: Sein Name ist in Deutschland nicht erst seit der Ballack-Affäre ohne Zweifel verbrannt, er wird hierzulande nie mehr auch nur seinen kleinen linken Zeh auf ein Fußballfeld setzen können, ohne sich diversen Anfeindungen ausgesetzt zu sehen. Man könnte das Für und Wider der Person(a non Grata) Kevin Boateng erörtern, am Ende des Tages gäbe es die Fraktion Pro Kevin (inklusive mir und Jürgen Klopp) und auf der anderen Seite die Verfechter der Ächtung des jungen Schnösels, der sich an einem einzigen Tag(!) drei Autos der Preisklasse Lamborghini leistet und unseren so wichtigen Capitano Michael Ballack um seine wahrscheinlich (und hoffentlich) letzte WM-Teilnahme gebracht hat. Ich persönlich halte ihn für einen grandiosen Kicker - persönlich gereift und geläutert - der so ziemlich jeder Bundesliga-Mannschaft gut zu Gesicht stünde. Seine ersten beiden WM-Auftritte bestätigten dieses positive Bild. Stichworte wie Spielübersicht, -intelligenz, Antizipation und Passgenauigkeit seien hier einfach mal in den Raum geworfen. Ich mag ihn - auch als Typ.

Was gab uns diese WM in den ersten acht Tagen sonst noch? England vermasselt es traditionell - so scheint es, die Franzmänner zerfleischen sich selbst (und wie!) und vergessen dabei doch glatt, dass sie ihre ach so stolze Nation in aller Welt repräsentieren und die Argentinier werden immer mehr zu einem gefürchteten, möglichen Viertelfinal-Gegner. Ganz ketzerisch gesagt wäre es wahrscheinlich nicht einmal nachteilig, lediglich Gruppenzweiter zu werden, da man dann den Engländern auf jeden Fall (sollten sie sich qualifizieren) im Achtelfinale und den Südamerikanern um Wunderkind Leo Messi im möglichen Viertelfinale einfach mal ganz lässig aus dem Weg gehen könnte.

Letztlich ist es zu diesem Zeitpunkt der Gladiatorenkämpfe müßig, über irgendwelche Eventualitäten zu sinnieren. Mund abputzen, Ghana weghauen und schauen, was da so auf uns zu kommt kann nur die Devise lauten. Um mal das Phrasenschwein zu bemühen: Wer Weltmeister werden will, muss eh jeden schlagen können. Nie war dieser Ausspruch so wahr wie in 2010.

Die Spanier werden trotz der fast schon historischen Auftaktpleite gegen (G)Ottmars Schweizer die Gruppe souverän für sich entscheiden, Brasilien wird seine Hausaufgaben erledigen und auch die von uns so verehrten Italiener werden die K.O.-Runde erreichen. Und dann ist - wie immer - alles drin. DIE alles überragende Mannschaft habe ich noch nicht gesehen, und auch Diegos Offensiv-Feuerwerk muss man dank Martin Demichelis noch nicht zwingend zum Titel gratulieren. Gute Chancen haben sie natürlich zweifelsohne.
Die Crux der ersten WM-Woche ist letztlich: Nichts ist gesichert und schon gar nicht, dass unsere Jungs bis ganz zum Schluss mitmischen werden, so wie es der Rest der Welt fast schon traditionell erwartet.

Dass wir es uns alle wünschen, bedarf hier wohl keiner weiteren Erwähnung. Und für den Fall, dass wir es tatsächlich schaffen sollten, stehen einige von uns in der Pflicht einer leichtsinnig eingegangenen Wette. Drückt einfach die Daumen, hofft, dass wir Weltmeister werden und lasst euch überraschen. Für alle Hannoveraner könnte es amazing werden O.o. Auf dem gestrigen Heimweg trafen wir dann doch auch gleich auf zwei Fußballfreunde, deren Schicksal wohl schon durch die Niederlage gegen die Serben besiegelt schien: Sie mussten nackt über die Limmerstraße laufen. Sie taten dies mit bedingungsloser Überzeugung und Hingabe. Ich sollte noch einmal ins Solarium gehen. Ohne Witz, ich bete für den vierten Stern. Ganz ohne Public Viewing und Volksbespaßung. Fußball ist immer noch wichtig!